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November 12, 2016 Internet Marketing Services

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Eine Megakirche Willow Creek am Ostersamstag in “Der Welt”
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Heute am Ostersamstag habe ich einen sehr interessanten Artikel in "Der Welt" gefunden. Er befasst sich mit der Willow Creek Kirche in Chicago. Die Damen und Herrn zeigen dort in Amerika, dass Kirche komplett ohne Kirchturm und jeder Menge Technik funktioniert. Viel Spaß beim Lesen!

Gottes Konzern
Willow Creek ist eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Kirchengemeinden Amerikas. Sie wird geführt wie
ein Unternehmen. Die eigene Beratungsfirma agiert weltweit
von Anette Dowideit
In Willow Creek herrscht an diesem Samstagnachmittag Stimmung wie in einem Fußballstadion vor einem
Rockkonzert. Während sich die große dunkle Halle langsam füllt, schallt aus den Lautsprechern "Superstition" von
Stevie Wonder. Viele Besucher sind junge Pärchen, Familien, Teenager. Ihre Jacken haben die meisten locker über die
Lehnen der gepolsterten Sitzreihen geworfen, mitgebrachte Rucksäcke liegen auf dem Boden. Auf der großen Bühne
sind sechs Barhocker und Mikrophonständer für die Vorgruppe aufgebaut, unter der Saaldecke hängen
Großbildschirme, damit man auch von den oberen Tribünen alles sehen kann. Für die richtige
Rockkonzert-Atmosphäre fehlen nur Bierdosen.
Doch hier treten heute nicht die Rolling Stones auf, sondern Bill Hybels. Er ist Pastor der Kirche Willow Creek in South
Barrington bei Chicago. Dies ist der wöchentliche Gottesdienst einer der größten Kirchen Amerikas. 4159 Besucher
sind an diesem Samstag im März zur Messe gekommen. Das weiß die Kirche so genau, weil sie bei jedem
Gottesdienst eine minutiöse Übersicht erstellt: 1941 Menschen sitzen im Parkett, zwölf auf dem westlichen Balkon,
davon sind sieben Erwachsene und fünf Kinder. Erfolgskontrolle.
17 Prozent Wachstum
Willow Creek hat fast 600 fest angestellte Mitarbeiter, die sich mit Dingen wie Marketing oder
Buchhaltung beschäftigen. Die Kirche hat einen Finanzvorstand, eine Personalabteilung, eine
Pressestelle – und eine angegliederte Beratungsfirma, die weniger erfolgreiche
Kirchengemeinden weltweit berät. Rund 11 000 Menschen helfen ehrenamtlich bei
Kinderbetreuung oder sozialen Projekten. Dieses Konzept verhilft Willow Creek zu
Wachstumsraten, von denen viele Konzerne nur träumen. Seit der Gründung im Jahr 1975 ist
die durchschnittliche Zahl der Gottesdienstbesucher pro Wochenende von 125 auf 20 000
gestiegen – das sind mehr als 17 Prozent Wachstum pro Jahr.
Sechs Jahre nach der Gründung wuchs die Kirche aus ihrem damaligen Gebäude, einem stillgelegten Kino, heraus –
"ein typisches Start-Up-Problem", sagt Cally Parkinson, Pressesprecherin der Kirche. Mit Spenden wurde das heutige
Gemeindezentrum gebaut, in dessen Hauptsaal mehr als tausend Gläubige paßten. Vor eineinhalb Jahren wurde auch
das zu klein. Willow Creek baute einen neuen Saal. Für 7095 Menschen.
Das Geheimnis von Willow Creek heißt Präsentation. Vor den Messen treten häufig bekannte Redner oder christliche
Bands auf, das ganze mit Lichtshow und 129-Lautsprecher-System. Alles im Dienste der Unterhaltung, sagt Parkinson.
"Gottes Wort verdient es, daß es professionell präsentiert wird." Nicht umsonst heißt Gottesdienst auf englisch
"Service".
An diesem Samstag singt als Vorgruppe für Pastor Bill Hybels "Take 6", eine A-Capella-Gruppe mit christlichen Texten,
die schon mehrere Grammy Awards gewonnen hat. "God is the answer and love ist the king." Die Menge klatscht
begeistert mit.
Kein Kreuz, kein Altar
Wie Willow Creek gibt es in den USA eine Handvoll dieser sogenannten Mega-Kirchen, in die
pro Messe mehr als 2000 Menschen strömen. Man kann auch darüber streiten, ob Willow
Creek überhaupt eine richtige Kirche ist. Es gibt kein Kreuz, keinen Altar, keinen Weihrauch –
nichts, was Skeptiker verschrecken könnte. Die Kirche sieht auch nicht aus wie eine Kirche,
sondern wie ein modernes Tagungszentrum: Im Foyer gibt es Infostände mit Computern,
Rolltreppen führen zu den oberen Rängen. Rund um den sandfarbenen Bau gibt es 3500
Parkplätze. Amerikaner, zumal in den weitflächigen Vororten, kommen schließlich mit dem
Auto.
Gottes Konzern www.welt.de/data/2006/04/15/874119.html?prx=1
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So auch das Ehepaar Ross, das jede Woche mit den drei Kindern zur Samstagsmesse kommt. Während die ersten
Besucher sich schon die besten Plätze in der großen Halle suchen, sitzen Vater Mark und Mutter Andrea noch in einer
Polstergruppe und erzählen. Andrea, eine gebürtige Deutsche aus der Gegend von Celle, markiert den Unterschied
zwischen deutschen Kirchen und Willow Creek: "In Deutschland geht man zur Kirche, weil man muß – und hier, weil es
Spaß macht."
Spaß macht der Kirchenbesuch für Familien Ross auch deshalb, weil sie ihre Kinder während der Messe abgeben
können. Willow Creek hält für jede Altersgruppe vom Säugling bis zum Teenager ein anderes
Beschäftigungsprogramm bereit. Gibt es Probleme mit einem Kind, wird auf einem der Großbildschirme im
Gottesdienst eine Nummer eingeblendet. Im Foyer ist sogar eine Cappucinobar, die mit Sesseln und einem Kamin
ausgestattet ist und mindestens so schick ist wie "Starbucks" – und auch ebenso teuer: Cafe Latte gibt es ab 2,50
Dollar.
Schick wie Starbucks
All das sei aber kein Grund, Willow Creek zu verdammen, sagt Cally Parkinson. "Wir wollen
den herkömmlichen Kirchen keine Besucher abwerben – wir sind für die Leute da, die sonst
gar nicht in die Kirche gehen würden." Willow Creek stehe zu anderen Kirchen im gleichen
Verhältnis wie Billigflieger zur Lufthansa: Es werden die Kundengruppen bedient, die sonst
brach liegen würden.
So hatte die Kirche auch ihren Ursprung. Pastor Bill Hybels, der als Sohn eines Gemüsehändlers schon früh wußte, wie
ein Unternehmen funktioniert, erkannte 1975 eine Marktlücke. Es gab keine Angebote für Menschen, die ihr Leben mit
Sinn ausfüllen wollten, aber vor Weihrauch und Kruzifixen zurückschreckten. Zusammen mit ein paar Freunden betrieb
er Marktforschung: Sie zogen von Tür zu Tür und fragten die Bewohner der knapp 4000 Einwohner-Stadt South
Barrington, was sie sich von einer alternativen Kirche wünschten. Die wichtigste Antwort, die Hybels zum Leitsatz
machte: mehr Relevanz für das tägliche Leben.
Was damit genau gemeint ist, zeigt Bill Hybels auch an diesem Samstagnachmittag im Gottesdienst. Während die
Menge noch beschwingt im Rhythmus von "Take 6" mitklatscht, kommt Hybels von der Seite auf die Bühne – gar nicht
wie die lauten Star-Prediger im Fernsehen, sondern leise und unauffällig. Schlichtes graues Hemd, dunkle Hose,
kurzes graues Haar und eine randlose Brille. Hybels trägt ein Flipchart auf die Bühne, auf das er während seiner
Predigt mit schwarzem Filzstift ein Dreieck malen wird: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Thema ist an diesem Tag Jesus Weg auf den Ölberg: Jesus weiß, er wird oben von römischen Soldaten
festgenommen werden. Trotzdem geht er. "Wir alle haben manchmal solche emotionalen Hügel vor uns", sagt Hybels.
Eine lange Dienstreise, obwohl man zu Hause gebraucht würde. Oder eine schwierige Aussprache in der Familie.
Solche Botschaften sind für die Besucher einfach zu verstehen.
"Die meisten Leute kommen zum ersten Mal zu uns, wenn sie gerade eine persönliche Krise haben", sagt Hybels. Viele
bleiben auch danach. Vom Modell Willow Creek wollen sogar die Studenten der bekanntesten Wirtschaftsuniversität
lernen: Hybels stellt das Erfolgsbeispiel Willow Creek einmal pro Jahr in Harvard vor.
Wie viele Unternehmen hat allerdings auch Willow Creek ein essentielles Problem: die Nachfolge. Denn Hybels hat die
Kirche aufgebaut – und wenn man seine Mitarbeiter hört, dann hat der Erfolg sehr viel mit seiner Person zu tun. "Jeder
Pastor hat andere Qualitäten. Die von Bill ist es, freiwillige Helfer anzuspornen", sagt Dick Anderson, der im
Beratungszweig, der 150köpfigen "Willow Creek Association" arbeitet. Doch Hybels ist mittlerweile immerhin schon 54
Jahre alt. Gerade versucht man, mit dem jüngeren Gene Appel einen Nachfolger aufzubauen.
Ein wesentlicher Punkt unterscheidet die Kirche dann aber doch von einem Konzern: Es gibt keine
Gewinnerzielungsabsicht. Das von den Gemeindemitgliedern gespendete Geld geht in die – laut Sprecherin Parkinson
bescheidenen – Gehälter. Überschüsse werden gespendet.
Von der Börse zur Kirche
Dafür ist unter anderem Warren Beach zuständig. Früher war er Rohstoffhändler an der
Chicagoer Börse. In Bill Hybels Kirche sei er schon gegangen, als der noch im alten Kino
gepredigt habe. Vor ein paar Jahren sagte Beach: "Gott, ich bin zwar zufrieden mit meinem
Gottes Konzern www.welt.de/data/2006/04/15/874119.html?prx=1
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Leben – aber wenn Du noch etwas Sinnvolleres für mich hast als den Rohstoffhandel, laß es
mich wissen." Wochen später war das Angebot von Willow Creek da.
Beach leitet den Bereich "Global Connections". Das heißt, er organisiert Hilfsprojekte für Afrika. Im letzten Jahr hat er
mit anderen ein Projekt in Sambia gestartet, in dem Waisenkinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben, in neue
Familien vermittelt wurden.
Hinter dem Parkplatz, auf den man von Beachs Büro aus blickt, liegt ein hübscher kleiner See. In ihm werden in jedem
Sommer mehrere hundert Leute in einem Massenspektakel getauft. Auch das gehört zum Prinzip Willow Creek:
Aufmerksamkeit erregen. Es funktioniert. An Ostern und Weihnachten wollten zuletzt so viele Menschen zum
Gottesdienst, daß selbst das große Auditorium überquoll. Willow Creek wäre aber nicht Willow Creek, wenn es nicht
auch dafür eine Lösung hätte: Seit kurzem gibt es ein Buchungssystem im Internet, mit dem sich Gläubige einen Platz reservieren können.
Artikel erschienen am Sa, 15. April 2006

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